Warum Bauarbeiten unseren Fahrplan aus dem Takt bringen

Über Aktuelles auf der Marschbahnstrecke berichtet Christoph Ströh, Verkehrsvertragsmanager Netz West bei DB Regio Schleswig-Holstein, immer am letzten Samstag des Monats.

Sicher haben Sie es schon erlebt: auf Bahnstrecken wird gebaut und die Fahrzeiten verlängern sich. Aber warum kommt es dann häufig auch noch zu Zugausfällen? Dafür gibt es im komplexen Bahnsystem viele Gründe wie zum Beispiel den erhöhten Fahrzeugbedarf. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Zwischen 2 Orten auf der Marschbahn fahren 2 Züge der DB Regio Schleswig-Holstein im 1-Stunden-Takt, je einer pro Richtung und Stunde auf seinem Gleis. Von Ort zu Ort beträgt die Fahrzeit 45 Minuten. Am Bahnhof angekommen, haben die Züge 15 Minuten Aufenthalt für den Ein- und Ausstieg der Fahrgäste sowie den Führerstandswechsel des Lokführers und dann geht es zurück. Es werden also 2 Zuggarnituren benötigt, damit planmäßig jede volle Stunde 2 Züge zwischen den beiden Orten fahren können. Soweit läuft alles nach Plan. Nun wird aufgrund von Bauarbeiten ein Gleis gesperrt. Die Züge können also nicht wie gewohnt auf ihrem Gleis vom einen zum anderen Ort fahren, sondern müssen sich ein Gleis teilen und aufeinander warten. Die Bauarbeiten im gesperrten Gleis erfordern ein langsameres Fahrtempo des Zuges auf dem freien Gleis und auch das Warten vor dem gesperrten Abschnitt auf das Passieren des Gegenzuges kostet Zeit. So entsteht eine Fahrzeitverlängerung von 20 Minuten in beide Richtungen, sodass die Züge am anderen Bahnhof nicht nach 45, sondern erst nach 65 Minuten ankommen. Die vorgesehene Rückfahrt nach 60 Minuten und der 1-Stundentakt sind also nicht mehr haltbar.

Was tun? Damit der 1-Stundentakt dennoch gefahren werden kann, müsste in beiden Orten jeweils ein Extrazug bereitstehen. Es werden nun also 4 Zuggarnituren benötigt, damit während der Bauphase in jeder Stunde 2 Züge zwischen den beiden Orten fahren können.

In der Realität gibt es jedoch nur eine begrenzte Verfügbarkeit von Fahrzeugen. Diese versuchen wir so einzusetzen, dass alle Strecken bedient und möglichst viele Fahrgäste befördert werden können. Wegen der endlichen Anzahl der Fahrzeuge funktioniert dies leider nicht immer. Bei den Planungen für die Einsätze spielt auch der Gesamtfahrplan eine Rolle. Daher kann es vorkommen, dass bei Bauarbeiten mit der vorhandenen Fahrzeuganzahl weniger Züge gefahren werden können oder es auf anderen Strecken(abschnitten) zu Verspätungen oder Ausfällen kommt. Unsere Baustellenplaner tun stets ihr Bestes, um die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste in Baustellenphasen so gering wie möglich zu halten. So auch bei den laufenden Bauarbeiten auf der Marschbahnstrecke vom 21. Oktober bis 9. Dezember. Auch hier sind Fahrplanänderungen und Ausfälle leider nicht zu vermeiden.

Damit Sie sich gut auf die Änderungen einstellen können, geht DB Regio in der Baukommunikation neue Wege. Neben Plakaten, Ansagen, Infos auf den Bahnhofs-Anzeigetafeln und Online-Informationen gibt es nun erstmalig einen Bauinfo-Erklärfilm. Schauen Sie sich den Film unter www.bahn.de/netz-west an und geben Sie uns gerne Feedback, wie hilfreich Sie das neue Format finden!

Reisende können sich über die App DB Bauarbeiten mit Push-Benachrichtigung für ausgewählte Strecken, in der DB Navigator-App und der DB Streckenagent-App, auf bahn.de/reiseauskunft sowie bauinfos.deutschebahn.com (mit Newsletter für einzelne Strecken) über die aktuellen Fahrpläne informieren. Außerdem versorgt das Zug- und Bahnhofspersonal die Fahrgäste mit aktuellen Informationen und es gibt Bahnhofsaushänge. Darüber hinaus erhalten Kunden im Störungsfall Verkehrsmeldungen in unserem

Zum Autor

Christoph Ströh ist seit zwei Jahren bei der DB Regio AG. Als Verkehrsvertragsmanager Netz West kennt der gebürtige Schleswig-Holsteiner die Marschbahn und ihre Besonderheiten. Täglich arbeitet er daran, die Situation an der Westküste zu verbessern.