Rennstieg: Einer der schönsten Wanderwege im Hainich


In Deutschland gibt es etwa 200 Kammwege, welche den Namen Rennsteig oder Rennstieg tragen. Mit dem über den Thüringer Wald verlaufenden Rennsteig darf sich Thüringen des Bekanntesten unter den Vielen rühmen. Mit dem ca. 31 Kilometer langen, über den Hainich führenden Rennstieg hat der Freistaat zudem noch einen der Schönsten in seinem Territorium.

Wanderung

Zwischen 400 und 494 m Höhe geht es im Hainich auf einem wandererfreundlichen Streckenprofil durch Wald und Feld. Vor allem die artenreichen Laubmischwälder lassen die Wanderung zu einem außergewöhnlichen und unvergleichlichen Naturerlebnis werden. Gemütliche Rastplätze laden zum Verweilen und Picknicken ein. Markiert wird der Rennstieg, dessen erste Erwähnung auf das Jahr 1448 zurückgeht, mit einem großen "R", welches mit einem Querbalken unterlegt ist.

Der Rennstieg beginnt im Süden in der Ortschaft Behringen an der Nationalparkinformation, in der sich auch eine Kunstausstellung befindet. Vorbei an einem Skulpturenpark geht es auf einem holprigen Feldweg leicht bergauf ins Nesseltal zum Wartburgblick, einem im Jahre 1991 geschaffenen herrlichen Aussichtspunkt. Das nächste Ziel ist das "Baumeisterkreuz" am Rittergasserberg, das neben einer Wanderhütte inmitten Jahrhunderte alter Buchen zu finden ist. Dieses Flurdenkmal aus dem 17. Jahrhundert hat eine zum Teil düstere Geschichte: Die Kreuze wurden errichtet, wenn ein Mensch unvorbereitet das Zeitliche gesegnet hatte und deshalb seine Sünden nicht beichten konnte. Nach dem damaligen Glauben konnten diese armen Seelen durch häufiges Gebet von Lebenden aus dem Fegefeuer erlöst werden.

Weiter geht es zum "Rennstiegstein", auch "Försterstein" genannt. Hier zweigt ein Naturlehrpfad in Richtung Hütscheroda ab. Dem Rennstieg folgend, der sich als schmaler Pfad am Rande des ehemaligen Truppenübungsplatzes durch einen sehr alten, lichten Wald schlängelt, ist bald der höchste Punkt des Hainichs, der "Alte Berg", erreicht. Etwas versteckt im Wald liegt er 494 m über dem Meeresspiegel. Nur wenige hundert Meter von hier in östlicher Richtung befindet sich das größte Wacholdergebiet Thüringens, die Wacholderheide bei Craula.

Dickicht Wald © Simantke

Am "Craulaer Kreuz" passiert der Wanderer die Nationalparkgrenze. 8,5 Kilometer führt der Rennstieg nun durch den Nationalpark. In östlicher Richtung erkennt man schon das erste Gebäude des kleinen Örtchens Craula, wo früher Waid angebaut wurde. Aus dieser Pflanze gewann man den blauen Farbstoff, dem die Stadt Erfurt und ganz Thüringen ihren Reichtum verdankte.

Nach vier Kilometern erreicht man die originalgetreue Nachbildung der "Eisernen Hand", einen der interessantesten Wegweiser Thüringens, dessen eigenwillig gebogene Finger zu verschiedenen Örtlichkeiten weisen. Nur wenige Schritte dahinter steht, versteckt im Wald, das älteste Flurdenkmal des Hainichs, das "Ihlefelder Kreuz". Hier angekommen ist es nicht weit zum Wahrzeichen des Hainichs, der berühmten "Bettel-Eiche" am Ihlefeld. Tausend Jahre soll sie alt sein. Dieser skurril geformte Baumveteran ist zweifellos ein beeindruckendes, immer wieder zu bestaunendes Symbol im Herzen des Hainichs. Zahlreiche Sagen ranken sich um die Entstehung seiner eigenwilligen Form.

Baumpilzmoos © Simantke

Von dort aus geht es weiter über die "Käsewiese" zum "Totenkopf". Auf dem Weg zur ehemaligen "Antonius Herberge", von der nur noch Gesteinstrümmer deuten und an der sich heute ein Grillplatz und eine Sitzgruppe befindet, verlässt man den Nationalpark Hainich wieder. Auf dem Rennstieg weiter in Richtung Norden befindet sich nahe am "Steinernen Tisch", nur wenige Schritte abseits vom Rennstieg, der bekannteste unter den vier "Dreiherrensteinen" des Hainich. Die Grenzen vom Königreich Preußen und den sächsischen Herzogtümern Gotha und Weimar trafen hier aufeinander. Es lohnt sich auch ein Abstecher in das östlich liegende stattliche Dorf Kammerforst mit seinen schmucken Häusern und Straßen. Hier befinden sich unter anderem eine Nationalpark- Information mit einer Ausstellung und einer Dia-Show sowie eine Vielzahl von touristischen und kulinarischen Angeboten.

Etwas versteckt, etwa 3 km vom Rennstieg entfernt, liegt die stimmungsvolle Ruine der Burg Haineck aus dem frühen 15. Jahrhundert. Im Dreißigjährigen Krieg diente sie mit ihren 1,40 Meter starken Mauern und dem 19 Meter hohen Turm als Zufluchtsort. Setzt man die Wanderung auf dem Rennstieg fort, vorbei am Festplatz "Langulaer Schildchen", bieten sich dem aufmerksamen Wanderer detaillierte Einblicke in die naturnahe Plenterwaldwirtschaft. Nur starke Stämme werden geerntet und bodenschonend mit Pferden an die Waldstraßen gerückt. Die neue Baumgeneration wächst unter dem schützenden Schirm der älteren Bäume heran.

Nach weiteren 4,5 Kilometern erreicht man das "Grenzhaus" bei Heyerode. Durchquert man das die Straße überspannende Grenzhaus ist man schon in dem idyllisch gelegenen Hainichdorf. Gemütliche Gassen und eine hübsche Dorfarchitektur laden zum Verweilen ein. In unmittelbarer Nähe, am Rande von Niederdorla, befindet sich seit 1992 die "Mittelpunktslinde", die den errechneten geographische Mittelpunkt Deutschlands markiert.

Der letzte Abschnitt des Rennstieges führt durch den Stadtwald der altehrwürdigen "Freien Reichsstadt" Mühlhausen. Die "Himmelsleiter", eine Wetterscheidenchaussee, kreuzt den Rennstieg und führt in westlicher Richtung an der "Luthereiche" vorbei. Die beindruckenden Erdwälle des "Mühlhäuser Landgrabens" (ein etwa 26 km langes, doppeltes Wallsystem aus dem 14. Jahrhundert) reichten bis nach Sollstedt und im Osten bis zum Kloster Volkenroda. Sie sind die letzte Station auf der Wanderung zum nördlichen Ende des Rennstieges im Dorf Eigenrieden im malerischen Eichsfeld.