Einsatz für eine leisere Bahn
Mit einem ganzen Strauß von Maßnahmen sorgt die Deutsche Bahn dafür, dass die Züge der DB immer leiser werden. Lärm ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit – Lärmschutz daher ein zentrales Anliegen der Deutschen Bahn.
Es rattert und es rumpelt - ein Güterzug rollt vorbei. 60 Wagons, voll beladen mit Containern und schweren Stahlrollen. Schienenverkehr verursacht Lärm, vor allem dann, wenn Güter transportiert werden. Die wichtigste Ursache dafür ist der Kontakt zwischen Rad und Schiene. Die Güterwagen sind mit alten Grauguss-Bremsen ausgestattet, die auf die Lauffläche drücken und bei jedem Bremsvorgang die Radlauffläche aufrauen.
Ein Strauß von Maßnahmen soll den Lärm von der Schiene halbieren
Damit immer mehr Menschen auch neben Bahnschienen von Lärm entlastet werden, sorgt die Bahn seit Jahren dafür, dass sowohl Personen- als auch Güterzüge immer leiser durch Deutschland fahren. Für das Jahr 2020 hat sie sich das Ziel gesetzt, den Lärm von der Schiene im Vergleich zu 2000 zu halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt sie verschiedene Bausteine um. Sie reichen vom Lärmschutz an der Strecke über Maßnahmen an Schienenwegen bis zur Schallbekämpfung an der Quelle.
Seit 1999 setzt die DB das Lärmsanierungsprogramm der Bundesregierung um. Dieses umfasst die Lärmsanierung an insgesamt 3.700 Kilometer Bahnstrecke. In den Jahren zwischen 1999 und 2012 errichtete die Deutsche Bahn bereits rund 442 Kilometer Schallschutzwände und baute in über 48.300 Wohnungen Schallschutzfenster ein. Allein in 2012 sind an rund 55 Kilometern Schallschutzwände entstanden und 2.000 Wohnungen lärmsaniert worden. Insgesamt sind damit nun über 1200 km und damit rund 30 Prozent der zu sanierenden Strecke fertig gestellt sind.
Lärm an der Quelle mindern
Um die weitere Sanierung zu beschleunigen, setzt sich die Deutsche Bahn dafür ein, dass auch lärmmindernde Maßnahmen an den Fahrzeugen gefördert werden können. Denn am effektivsten ist es, die Entstehung von Lärm gleich an der Quelle zu verhindern. Fahrzeuge im Personenverkehr sind bereits weitgehend mit lärmarmen Scheibenbremsen ausgerüstet. Im Güterverkehr sollen Verbundstoffbremsen für eine leisere Fahrt sorgen. Diese „Flüsterbremse“ verhindert ein Aufrauen der Räder und halbiert das Rollgeräusch der Züge. Neue Güterwagen beschafft die DB bereits seit 2001 ausschließlich mit dieser Verbundstoffbremssohle. Ende 2012 waren bereits rund 7.600 Waggons im Bestand von DB Schenker Rail. Und auch die Umrüstung der Bestandsflotte hat begonnen. Insgesamt 1.250 Güterwagen rüstet die Deutsche Bahn derzeit auf die leise Bremssohle um. Die ersten hat sie im Oktober 2012 in Bingen am Rhein präsentiert. Finanziert wird die pilothafte Umrüstung der Wagen, die vorrangig im Rheinkorridor eingesetzt werden, mit insgesamt 7,5 Millionen Euro aus dem Lärmsanierungsprogramm des Bundes.
Effekt der Flüsterbremse bewiesen
Dass die Flüsterbremse den Lärm hörbar mindert, hat die Deutsche Bahn AG mit einer öffentlichen Demonstrationsfahrt im Oktober vergangenen Jahres bewiesen: Der Güterzug, der mehrfach durch den dortigen Hauptbahnhof fuhr, war zur Hälfte auf die leisen Bremsen umgerüstet. Bei den beiden Durchfahrten im Hauptbahnhof von Bingen verursachten die mit herkömmlichen Bremsen ausgestatteten Wagen 90 db(A), die auf leise Bremsen umgerüsteten Wagen nurmehr 76 db(A). Der Lärm konnte also insgesamt um 14 Dezibel gemindert werden. Für das menschliche Ohr entsprechen schon zehn Dezibel einer Halbierung des Lärms.
Aufnahme Demonstrationsfahrt Bingen im Oktober 2012
Die Lärmmessungen bei den Durchfahrten des Demonstrationszuges als Grafik
Weitere Technologien geeignet
Aber die Verbundstoffbremssohle ist nur eine konkrete Maßnahme, die in Zukunft eingesetzt werden, um das Ziel zu erreichen. 13 innovative Technologien hat die DB beispielsweise aus Mitteln des Konjunkturprogramm getestet. Und dabei herausgefunden, dass der Großteil dieser Technologien zur Verminderung der Immissionen geeignet sind. Sobald die neuen Schallschutz-Technologien von den Behörden anerkannt werden, können die Maßnahmen als Ergänzung zum klassischen Lärmschutz zum Einsatz kommen.