Sanierung der Erzgebirgsbahnstrecken abgeschlossen
(Leipzig/Chemnitz, 10. Januar 2008)
Seit Gründung der Erzgebirgsbahn (EGB) im Januar 2002 wurden durch den Bund, den Freistaat Sachsen und die EGB rund 140 Millionen Euro in den Um- und Ausbau des Streckennetzes investiert. Die EGB mit Sitz in Chemnitz ist eines von bundesweit fünf RegioNetzen. Sie bedient vier Linien im westsächsischen Raum: Chemnitz–Aue, Zwickau–Johanngeorgenstadt, Chemnitz–Flöha–Olbernhau-Grünthal und Chemnitz–Flöha–Annaberg-Buchholz–Bärenstein. Zum Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres wurde die Sanierung dieser Strecken abgeschlossen.
Durch die schrittweise Verbesserung der Infrastruktur konnten die Fahrzeiten zwischen Chemnitz bzw. Zwickau und den wichtigen Zentren im Erzgebirge zum Teil um bis zu 20 Minuten verkürzt werden. Die Wiederaufnahme des durchgängigen Verkehrs nach umfassenden Umbau- und Erneuerungsarbeiten auf den Strecken Chemnitz–Aue und Chemnitz–Olbernhau im Januar 2005 war ein erster wichtiger Meilenstein für die weitere Attraktivitätssteigerung des Verkehrs in der Region.
Am 9. Dezember 2007 wurde die deutschlandweit einzigartige Referenzstrecke für eine moderne Leit- und Sicherungstechnik zwischen Annaberg-Buchholz und Flöha in Betrieb genommen. Nach der Erneuerung von Gleisen, Weichen und Bahnübergängen sowie der Sanierung von Brücken und dem barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen und Haltepunkten ist damit die Sanierung des gesamten Streckennetzes der Erzgebirgsbahn abgeschlossen.
Grundlage für die umfassende Sanierung und die Investitionspolitik ist der 2003 zwischen der Erzgebirgsbahn und dem Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) abgeschlossene Verkehrsvertrag mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Parallel dazu wurden in einem langfristigen Bau- und Finanzierungsvertrag zwischen der Bahn, dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) und dem ZVMS Art und Umfang der notwendigen Investitionen in das Streckennetz entsprechend geregelt.
Die Erzgebirgsbahn beschäftigt gegenwärtig 260 Mitarbeiter. Die Beschäftigten sorgen für einen reibungslosen Betrieb der täglich 150 Züge auf dem 217 Kilometer langen Streckennetz. Sie tragen zudem Verantwortung für die Instandhaltung der Gleisanlagen, der rund 220 Bahnübergänge, 282 Brücken, 608 Durchlässe und vier Tunnel. Außerdem sind sie verantwortlich für 74 gepachtete Bahnhöfe und Haltepunkte.
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Qualität des Angebotes und Kundenzufriedenheit gestiegen
Bereits seit 2003 komplett erneuert ist der Fahrzeugpark der Erzgebirgsbahn. Insgesamt 16 moderne Triebzüge der Baureihe VT 642 sind seitdem im Einsatz. Fast 30 Millionen Euro wurden dafür investiert. Auf den sanierten Strecken können die modernen Dieseltriebwagen bis zu 80 km/h schnell fahren. Durch die erreichten deutlich verkürzten Reisezeiten nutzen wieder mehr Menschen die Bahn. In den vergangenen Jahren konnten bei den Reisenden eine Steigerung um 25 Prozent verzeichnet werden. Deutlich zulegen konnte die Erzgebirgsbahn zudem bei der Pünktlichkeit. Im vergangenen Jahr wurden konstant Werte um 98 Prozent erreicht. Damit liegt die Erzgebirgsbahn deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Die Steigerung der Angebotsqualität wird von den Kunden honoriert: Seit Juli 2002 führt die Erzgebirgsbahn bei bahninternen Erhebungen kontinuierlich die Kundenzufriedenheitsstatistik innerhalb der Deutschen Bahn an. Dieser Trend wurde durch INFAS-Umfragen bestätigt. Die EGB ist seit Herbst 2005 Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich der DB-eigenen Verkehrsunternehmen im Regionalverkehr. Über 70 Prozent der Kunden geben der EGB dabei gute bzw. sehr gute Noten.
Marketingkonzepte der Erzgebirgsbahn mit regionalem Zuschnitt
Zu den Erfolgen der Erzgebirgsbahn trug auch ein speziell auf die regionalen Bedürfnisse zugeschnittenes Marketing-Konzept bei. Damit positioniert sich die EGB eindeutig als die sympathische Bahn in Südwestsachsen sowie als regionaler Wirtschaftsfaktor im Grenzgebiet zum EU-Land Tschechien.
Sonderzüge zu regionalen Veranstaltungen, Bahnhofsfeste sowie die Zusammenarbeit mit touristischen Einrichtungen und anderen Verkehrsunternehmen im Erzgebirge gehören genauso zum regionalen Marketingkonzept wie das lokale Sportsponsoring-Engagement bei der Basketball-Mannschaft des Chemnitzer SC oder die Organisation von "Bahn-Erlebnistagen" für Kindergärten und Kinderheime.
Eine gänzlich neue Herausforderung für die EGB stellt zudem der Betrieb der Drahtseilbahn zwischen Erdmannsdorf und Augustusburg dar. Nach grundlegender Sanierung der historischen Bahn aus dem Jahr 1911 übernahm die EGB im Auftrag des Verkehrsverbundes Mittelsachsen im Juni 2006 die Betreiberschaft für dieses touristische Kleinod.
Die Drahtseilbahn verbindet den Bahnhof Erdmannsdorf-Augustusburg mit der Stadt Augustusburg und überwindet auf einer Streckenlänge von genau 1.240 Metern in acht Minuten einen Höhenunterschied von 168 Metern. Mit einem speziell auf den Tourismus zugeschnittenen Tarifsystem sowie dem Kombiticket "Dampf & Draht" will die EGB Fahrgäste locken. Ergänzt wird das auf die Drahtseilbahn zugeschnittene Marketing zudem durch einige Souvenirartikel, die an der Tal- und Bergstation der Drahtseilbahn erhältlich sind.
Neue Stellwerkstechnik für Nebenbahnen im Erzgebirge erprobt und pilotiert
Bundesweit Vorreiter ist die Erzgebirgsbahn zudem bei der Erprobung und Inbetriebnahme neuer Stellwerkstechnik für Nebenbahnen. Im November 2005 wurde in Annaberg-Buchholz ein neues Elektronisches Stellwerk (ESTW) der Firma Siemens als Pilotprojekt nach einer nur achtmonatigen Testphase in Betrieb genommen.
Der 2. Bauabschnitt zur Installation dieser modernen Signal- und Sicherungstechnik für die Strecke Annaberg-Buchholz-Flöha wurde bis zum Dezember 2007 realisiert. Das ESTW in Annaberg wurde in der Bauphase durch technische Unterzentralen - sogenannte Stellrechner - in Wolkenstein, Zschopau und Hennersdorf ergänzt. Damit kann der gesamte Zugverkehr im Zschopautal nun direkt aus Annaberg überwacht und gesteuert werden.